Die Kultur ist laut Beck ein wichtiges Element der Regionale

Herbert Beck: „Die Kultur ist
der entscheidende Faktor für die Region“

Erschienen in der Frankfurter Rundschau am 9. Dezember 2000

Von Jürgen Schultheis

FRANKFURT A. M. Die Region Rhein-Main steht am Scheideweg. „Wenn jetzt die verschiedenen Versuche scheitern, die Region zu verfassen und darzustellen, dann
ist das zwar kein endgültiges Scheitern, aber ein gültiges Scheitern für mehr als 20 Jahre“, sagt Professor Herbert Beck, Leiter des Städelschen Kunstinstituts in Frankfurt und Vorsitzender der Kulturinitiative Frankfurt Rhein-Main.

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Prof. Herbert Beck. (Bild: Georg Kumpfmüller)

Die Folgen wären nicht nur Resignation und Streit, es würden auch falsche Konkurrenzen entstehen, die erst nach einer langen Frist wieder abgebaut werden könnten. Insofern „ist das ein ganz entscheidender Augenblick“, in dem die Entscheidungen für die Zukunft der 25- bis 40-Jährigen, vielleicht sogar für die der 18- bis 35-Jährigen getroffen würden.

Material und Mittel seien ja vorhanden, sagt Beck, „jetzt müssen bei gewachsener Überzeugung, dass sich die Region verfassen muss, die Egoismen hintangestellt und der Mut aufgebracht werden, den entscheidenden Schritt zu gehen“. In der Forderung des kunstsinnigen Menschen klingt der Optimismus leise hervor. Beck ist Gast der Regionalkonferenz der Frankfurter Oberbürgermeisterin PetraRoth (CDU), in der alle Oberbürgermeister und Landräte der Wirtschaftsregion zwischen Bingen und Mainz im Westen und Aschaffenburg im Osten vertreten sind.

Er weiß, dass es die Kommunalpolitiker in dieser Runde neuerdings ernst meinen mit der Kooperation in der Region. Der Leiter des Städel ist überzeugt, dass die Zeit drängt und sich das Rhein-Main-Gebiet „als Region verfassen und verstehen“ muss, wenn die Region im Wettbewerb bestehen will. Der Anfang ist zumindest gemacht worden, als die Regionalkonferenz kürzlich ein Papier des Wirtschaftsausschusses verabschiedet hat.

Es gibt viel zu tun: „Wir sind nicht die Ersten in Europa, wir sind das Schlusslicht unter den Regionen“, sagt Beck im Blick auf die Regionen in Europa. Und er weiß, dass man 20 Jahre Rückstand im Rhein-Main-Gebiet kaum aufholen kann. Die Region ist im Bewusstsein der Menschen nicht verankert, sagt der Leiter des Städel, es fehle eine Definition in der Region, was die Region sein soll. Es gebe nicht einmal eine Darstellung der Region nach außen. Wenn man das Rhein-Main-Gebiet aber für wichtig halte und das Gebiet als Region begreifen wolle, dann folgt für Beck daraus die Notwendigkeit der gemeinsamen Darstellung. Das zumindest hat auch die Regionalkonferenz bewegt, die sich bei der nächsten Sitzung im Mai damit weiter beschäftigen will.

Landschafts- und Strukturausstellung Regionale, Metropolitana, Jürgen Schultheis, Metropolregion FrankfurtRheinMain, Region, Regionalkreis, Frankfurt am Main, Ludwig Landmann, Rhein-Mainischer Städtekreis, Deutsche Bank, Rolf Breuer, Messe Frankfurt, Michael von Zitzewitz, Flughafen Frankfurt, Fraport, Wilhelm Bender, Wirtschaftsinitiative Frankfurt, Themenwelt, arthesia AG, Prof. Thomas Sieverts, Prof. Dr. Walter Siebel, Prof. Wolfgang Christ, Petra Roth, Herbert Hirschler, Hessen, Frankfurter Rundschau, Hans Helmut Kohl, IHK Frankfurt am Main, IBA Emscher Park, Karl Ganser, Christoph ZöpelDie Landschafts- und Strukturausstellung „Regionale“ kann laut Beck dazu beitragen, das Bild und das Profil der Region zu schärfen. „Da bin ich mir sicher.“ Allerdings müsse das Projekt „sehr sorgfältig inhaltlich vorbereitet werden, die richtigen Köpfe müssten gefunden und die richtigen Töpfe aufgebaut werden“. Das Projekt „Regionale“ sei ein Fernziel. Es dürfe nicht dazu verleiten, andere notwendige, kleine Schritte aufzuschieben.

Die Kultur ist laut Beck ein wichtiges Element der Regionale. „Ich halte Kultur für den entscheidenden Faktor, und es gibt Klügere in Europa, die den Faktor Kultur für die Region, für die Identität und den Außenauftritt einer Region nutzen.“ Als Beispiele nennt Beck das 250-Millionen-Mark teure Guggenheim-Museum im spanischen Bilbao und den Umbau des Louvre in Paris zum Grand Louvre.

„Das sind sehr hohe Investitionen mit entsprechenden Folgekosten, aber wissend, dass diese Investitionen sich lohnen, gibt es wohl im Moment kein besseres Kommunikationsinstrument als die Museen, die die Funktionsfähigkeit des Politischen, Sozialen und Ökonomischen auf ihre wundervolle, stille ästhetische Weise nach außen transportieren.“

Kunst schafft aber auch öffentliche Orte in einer Zeit der wachsenden Individualisierung. Wo jeder nur noch seinen eigenen Kopf habe und die Frage der Aufklärung – das Verhältnis Individuum und Gemeinschaft – aktuell ist, misst Beck der Kunst eine besondere Bedeutung zu, weil in ihren Werken die Wirklichkeit abstrahiert und an ihr Wahrnehmungweisen der Wirklichkeit entwickelt würden.

Diese attraktiven öffentlichen Orte sollen laut Beck vor allem junge Menschen locken, die derzeit noch „von außen auf Frankfurt und die Region schauen und sagen, ich gehe doch lieber nach London“. Dabei gebe es ein reiches kulturelles Angebot, aber „es gibt niemanden, der in kurzer Zeit den kulturellen Bestand der Region auflisten könnte“.

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