Das Thema Flughafen Frankfurt und Frankfurter Rundschau war stets spannungsgeladen. Die Zeitung hat sich – ohne sich je darüber Rechenschaft abzulegen – mehr dem Protest gegen den Airport und gegen den Ausbau verpflichtet gefühlt als der faktischen Bedeutung der Drehscheibe für die deutsche Wirtschaft Rechnung zu tragen. Die Positionierung war berechtigt, wie die Geschichte des Ausbaus mit Startbahn West und Nordwestlandebahn zeigt.
Verpflichtungen und Versprechungen in den jeweiligen Ausbauphasen ist die Landesregierung nur selten nachgekommen, und für die Luftfahrtseite war jede Beschränkung des Flugbetriebes zum Wohl der Menschen in der Region Teufelszeug. Das Nachtflugverbot als Trade off für den Bau der Nordwestbahn musste erst gerichtlich erstritten werden, obwohl die Medation dieses Junktims eindeutig formuliert hatte. Dass manche Politiker dabei eine 180° – Wende vollzogen haben, gehört zur Geschichte des Ausbaus und hat das Vertrauen in Politik wohl nicht gestärkt.
Der Niedergang der Wirtschaft im Falle eines Nachtflugverbotes ist oft befürchtet worden, und der Auftritt des Lufthansa-Chefs Christoph Franz bei der Eröffnugn der Nordwestbahn war seinerzeit ein neuerlicher Höhepunkt in dieser Geschichte. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Franz die geplante Invesition in ein neues Logistikzentrum abgesagt – aus Protest gegen das nächtliche Flugverbot zwischen 23 Uhr und 5 Uhr in der Frühe. Um ein halbes Jahr später die Entscheidung zu revidieren.
Der Schlüsselbegriff war damals der so genannte Nachtsprung: Maschinen müssten auch in der Nacht fliegen können, um am anderen Morgen etwa in den USA zeitkritische Waren liefern zu können. Ich wollte wissen, wer und in welchem Maße auf den Nachtsprung angewiesen ist und habe damals das Siemens World Distribution Center in Neu-Isenburg und das Internationale Postzentrum am Frankfurter Flughafen besucht und mit Post-Chef Frank Appel ein Interview geführt.
Der Artikel beschreibt, wie Beschäftigte das Thema aus ihrer Warte beurteilen – sachlich und informativ.
Kein Beitrag hat mir in meiner Zeit als FR-Redakteur mehr Ärger in der Redaktion eingebracht als der Artikel „Drehscheibe des Kontinents“ und das Appel-Interview. Den „Verlust jeglicher journalistischer Standards“ hat mir damals mein Kollege Stephan Hebel vorgeworfen. Manchmal hat auch die Ideologie über die Sache triumphiert. Es war zum Glcük die Ausnahme.
Dass die Deutsche Post vieles von dem, über das Appel im Interview gesprochen hat, im Verlauf der Jahre umgesetzt hat, gibt der Geschichte ihre besondere Note.



