Erschienen in der Frankfurter Rundschau am 16. Januar 2001
Frankfurt hat nach Einschätzung des Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf-E. Breuer, in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Dennoch muss der Standort optimiert werden. Breuer begrüßt deshalb die Landschafts- und Strukturausstellung „Regionale“. Die FR dokumentiert seine Rede in Auszügen.

„Es gibt eine Historie von gut gemeinten Gremien, Vorschlägen und Initiativen jeder Art und Güte, die alle zum Zwecke hatten, Frankfurt attraktiver zu machen als Standort für vielerlei Dinge, nicht zuletzt für Kultur, Wissenschaft, für Unternehmertum. Sie waren ja auch nicht unerfolgreich. Wir haben ja Fortschritte gemacht in der Vergangenheit. Frankfurt hat in den vergangenen zehn Jahren geradezu gewaltige Sprünge in eine attraktivere Richtung für Bewohner jeder Art und Güte gemacht. Was hier gestartet werden soll, startet nicht in einem Desaster-Szenario, in einem Umfeld, wo man die Hände über dem Kopf zusammenschlagen müsste über die Mängel, die hier festgestellt werden. Vielmehr geht es hier um eine Optimierungsinitiative.
Zum zweiten aber, und das hat mich bewogen, mich für diese Initiative persönlich zu interessieren, ist der regionale Touch. Wir haben in der Vergangenheit ja zunehmend gemerkt, dass alle guten Ideen an den politischen Grenzen Frankfurts halt machen und dass die Mitwirkung der Umlandgemeinden im weitesten Sinne durch das Phänomen ausgezeichnet ist, dass das Eigeninteresse im Vordergrund und das gemeinschaftliche Interesse für die Region vielfach sekundäre Bedeutung hat. Daran scheint mir in der Vergangenheit vieles an guten Ideen gescheitert zu sein.
Ich denke, was wir alle benötigen, damit der Standort Frankfurt noch optimiert und attraktiver wird, ist ein vernetztes Vorgehen in der Region und eine gemeinsame regionale Vision. Dazu ist dieses Ausstellungprojekt wie kein anderes geeignet. Es macht Vernetzung sichtbar, anfassbar, erlebbar, es zeigt die Strukturen. Von daher ist es die Basis für die Vision und die Vision muss in der Tat etwas sein, was wir von anderen, großen, vergleichbaren Standorten lernen können. Da gibt es eben jenseits der City Greater London, da gibt es jenseits des Weichbildes von Paris das Umfeld, das Umfeld als gemeinsames Netzwerk, als gemeinsam getragene Vision. Das sind nur zwei prominente Beispiele aus der europäischen Nachbarschaft, aber in diesen Wettkampf sind wir eingetreten und in diesem Wettkampf liegen wir nach wie vor nicht auf den vorderen Plätzen.
Als einer der größten Arbeitgeber der Stadt Frankfurt haben wir Schwierigkeiten, talentierte Mitarbeiter des eigenen Hauses zu bewegen, einige Jahre von New York, London, Paris oder anderen Städten wegzubewegen, damit sie einen Teil ihrer Karriere in Frankfurt verbringen. Das gelingt uns bei den Betroffenen selbst, denn da steht die Karriere im Vordergrund. Aber sobald es um die Familie geht, hat der Betroffene größte Schwierigkeiten, deutlich zu machen, dass die nächsten Jahre in Frankfurt verbracht werden sollen. Das hat bestimmt nichts damit zu tun, dass wir viele Vorteile haben.
Es geht hier in der Tat um eine Region, um die Fülle der soft factors und darum, die Region hier als einen Standort zu begreifen, wo eine Versetzung als glückliche Umstand auf einem Karriereweg begriffen wird und nicht als personal hardship. In dieser Situation befindet sich Frankfurt im Moment. Damit soll nicht bestritten werden, wie groß die Fortschritte sind, die in den vergangenen Jahren erreicht worden sind.
Dies ist eine weltoffene Stadt, dies ist ein Ort, der neu Hinzukommende gerne aufnimmt und nicht abstößt. Dies ist eine Stadt, die vom Wechsel lebt, auch in der Gestaltung der Beziehungsgeflechte, hier ist ein Kommen und Gehen und das wird als natürliches Element des Lebens in Frankfurt begriffen und begrüßt. Dies ist eine Stadt mit großer Vielfalt
und dies ist inzwischen eine Stadt von Format. Wir sollten uns auch nicht kleiner machen als wir sind. Diese Stadt Frankfurt hat inzwischen Format im Blickfeld der beobachtenden Außenwelt.
Der zweite Faktor, wo Frankfurt Format zeigt, ist als Finanzplatz. Wir sind als Finanzplatz absolut wettbewerbsfähig und London einzuholen war nie etwas, was in greifbarer Nähe war. Die Deutsche Börse ist die wettbewerbsfähigste Börse auf dem Kontinent, vermutlich sogar über Europa hinaus. Dies alles trägt dazu bei, dass Frankfurt von außen – zumindest im Finanz- und Wirtschaftsleben, von außen als Stadt von großem Format betrachtet wird. Die weichen Standortfaktoren sind es, die nachhinken. Die Entwicklung hat die richtige Richtung genommen, aber sie geht zu langsam und sie krankt an der regionalen Zersplitterung. Dies muss das Thema der Arbeit an der Ausstellung und der Arbeit an Strukturprojekten sein.“
