Erschienen in der Frankfurter Rundschau am 16. Januar 2001
Spitzenmanager und Wissenschaftler haben sich am Montag im Lichthof der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main auf folgende Grundsatzerklärung geeinigt.
Die Metropolregion Rhein-Main ist an den Meinungsbörsen der Welt unterbewertet: Zwischen den objektiven Stärken des Gebietes zwischen Mainz, Aschaffenburg, Friedberg und Darmstadt und der subjektiven Bewertung durch die Meinungsführer in den Global Cities besteht ein deutlicher Unterschied. Dieses Defizit hat eine Reihe von Ursachen, zu denen etwa die fehlende Geschlossenheit der Region und die eher defensive Vermittlung ihrer Qualitäten nach innen und außen zählen.
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert entwickelt sich das Rhein-Main-Gebiet rapide zu einem hochgradig vernetzten urbanen Raum, dessen Identität entwickelt und dessen Flair entfaltet werden muss. Die Region braucht deshalb ein Bild und einen Begriff von sich, um gleichermaßen als Lebens und Arbeitsstandort weltweit attraktiv zu sein. Ein gemeinsames Projekt von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in der Region soll dieses Defizit ausgleichen und die Region in weit stärkerem Maße zukunftsfähig machen.
In der ersten Phase soll die Strukturausstellung „Urbane Metropole Rhein-Main“ (Arbeitstitel) die Begabungen der Region herausstellen und entwickeln, die der Metropolregion RheinMain in Europa und in der Welt eine Sonderstellung verleihen:
- die Region, ihre Internationalität, ihre Offenheit, Toleranz und Geschichte,
- die Region mit ihrer ausgeprägten Vielfalt von Städten und Landschaften,
- die Region als metropolitane Garden-City,
- die Region mit Rhein und Main als prägender Kulturlandschaft,
- die Region als vernetztes System einer Vielzahl von qualitativ hochwertigen Kulturangeboten,
- die polyzentrische Region als Dienstleistungsstandort des 21. Jahrhunderts für Global Player und Mittelstand,
- die Region als Laboratorium des Strukturwandels von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft
Die Vielfalt der Region soll dabei bewahrt und gefördert und die Vernetzung des Raumes mit seinen unterschiedlichen Angeboten vorangetrieben werden. Dabei werden sich etwa die Verkehrsknotenpunkte in der Region in wachsendem Maße zu urbanen Orten entwickeln, wo Menschen arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Ein Ziel der gemeinsamen Initiative wird sein, diese Kristallisationspunkte zu Orten der Identifikation weiterzuentwickeln und die Aufenthalts- und Lebensqualität zu steigern.
Um dieses Ziel zu erreichen, rufen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zu einer Stiftungsinitiative auf, deren Zweck es sein wird, die Strukturausstellung „Urbane Metropole RheinMain“ (Arbeitstitel) voranzutreiben. In der ersten Phase wird ein Think Tank unter dem Titel „Center for European Urban Strategies“ (Ceus) Grundzüge der Ausstellung – die sieben genannten Stärken – präzisieren, Leitprojekte dazu ausarbeiten und einen Wettbewerb ausschreiben, der die Ideen und Potentiale der Bürger, Unternehmer und Verbände der Region publik macht und einbindet. Das gemeinsame Projekt von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik ist vom Gedanken geleitet, die Standortvorteile der Metropolregion RheinMain auf Dauer sicherzustellen und auszubauen.“
Verabschiedet von
Dr. Rainer Bastian, Vorsitzender Geschäftsführung Procter & Gamble, Schwalbach a.T.
Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender Flughafen AG, Frankfurt am Main
Dr. Rolf-E. Breuer, Vorstandssprecher Deutscjhe Bank, Frankfurt am Main
Christoph Groß, Sprecher Geschäftsführung Arthur Andersen, Eschborn
Dr. Heinz Werner Meier, Vorstandsvorsitzender Aventis Pharma, Frankfurt a, Main
Dipl-Ing. Eike-Rolf Michael, Präsident Telekom Kundendirektion Mitte
Dr. Hans Reckers, Präsident Landeszentralbank Hessen, Frankfurt am Main
Dr. Christian Stolorz, Vorstandsvorsitzender CSC Ploenzke, Wiesbaden
Michael von Zitzewitz, Vorsitzender Geschäftsführung Messe Frankfurt
unterstützt durch
Prof. Wolfgang Christ, Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. Ing. Jörg Dettmar, Technische Universität Darmstadt
Prof. Ing.DW Dreysse, Ecole de Architecture, Straßburg
Prof. Dr. Ingeborg Flagge, Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main
Prof. Peter Lieser, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Dr. Walter Siebel, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Prof. Thomas Sieverts, Architekturbüro S.K.A.T. Bonn
Prof. Detlev Ipsen, Gesamthochschule Kassel
