Ein Motiv, zwei Fotografen – und eine Katastrophe, die sich womöglich anbahnt.
Im Dezember 1968 gönnt sich der Apollo-8-Missionsfotograf William (Bill) Anders eine kleine Unaufmerksamkeit, als er für einen Moment nicht die Mondoberfläche knipst, sondern zum ersten Male in der Menschheitsgeschichte die Erde hinter dem Mond aufgehen sieht – und fotografiert. So entsteht das erste Bild der Erde. Das Zitat ist bekannt, und die Welt spricht fürderhin vom Raumschiff Erde und vom blauen Planeten.
Rachel Carsons Buch „Der stumme Frühling“ war da schon sechs Jahre auf dem Markt, und der Report „Restoring the Quality of our Environment“ des Science Advisory Committee des US-Präsidenten (!) hatte drei Jahre zuvor – 1965 -wegen der Verbrennung fossiler Brennstoffe festgestellt: „The CO2 produced by this combustion is being injected into the atmosphere; about half of it remains there … By the Year 2000 the increase in atmospheric CO2 will be close to 25%. This may be sufficient to produce measurable and perhaps marked changes in climate and will almost certainly cause significant changes in the temperature.“
Die Erde Ende der 60er Jahre
Die CO2-Konzentration der Atmosphäre lag damals knapp unterhalb von 325 ppm und damit innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen, wie sie das Team um Johan Rockström definiert hat. Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day), also der Tag, an dem die menschliche Nachfrage an biologischen Ressourcen die globale Biokapazität überschreitet, fiel 1971, als er zum ersten Male bestimmt worden ist, auf den 29. Dezember – die Menschheit lebte also knapp innerhalb der ihr vom Planeten gesetzten Grenzen.
58 Jahre später ist der Artemis-2-Astronaut Victor Glover im gleichen Maße vom Bild der Erde beeindruckt wie sein Kollege Anders damals: „You’re on a spaceship called Earth that was created to give us a place to live in the universe, in the cosmos. You have this oasis, this beautiful place that we get to exist together.“
Die Erde im 21 Jahrhundert – ein gefährdeter Planet
Heute liegt die CO2-Konzentration in der Luft aber bei 429 ppm, der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre ist der höchste seit zwei Millionen Jahren und der Gehalt von Methan und Stickoxiden in der Luft so hoch wie seit 800.000 Jahren nicht mehr (World Meteorological Organization – State of the Climate 2025). Die Erdatmospähre hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bereits um +1,43°C erwärmt. Dabei hatten wir uns für das Jahr 2100 vorgenommen, die Erwärmung auf +1,5°C zu begrenzen. Wir gehen womöglich auf eine +3°C Erwärmung bis 2050 zu, wie Deutsche Physikalische Gesellschaft e. V. (DPG) und Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. (DMG) 2025 gewarnt haben – offenbar folgenlos.
Der Klimaaufruf von DPG und DMG zum download (Link).
Haben wir Bill Anders und Victor Glover nur zugehört – oder haben wir sie darüber hinaus auch verstanden? Ist die Botschaft an die Menschheit angekommen? Ich fürchte, wir haben nichts verstanden.
Nachtrag: Der Welterschöpfungstag (Earth Overshoot Day) fiel 2025 auf den 24. Juli !

