Verkehrsminister Winfried Hermann über Brennstoffzelle und Güterverkehr

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) über umweltfreundliche Mobilität, Power-to-Gas- und Power-to-Liquid-Technologie und das Interesse an der Brennstoffzelle als Energiespeicher der Zukunft. Das Interview zum Thema Brennstoffzelle und nachhaltigen Straßengüterverkehr ist auf der Innotrans 2014 in Berlin geführt worden.

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Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann auf der Innotrans 2014 in Berlin.

Herr Herrmann, wir reden seit längerem über die Power-to-Gas und Power-to-Liquid-Technologie, heute haben Sie mit Ihren Verkehrsministerkollegen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und dem Geschäftsführer des RMV in Hessen, Prof. Ringat, eine Absichtserklärung mit Alstom unterzeichnet, Züge mit Brennstoffzellen nutzen zu wollen. Wann können wir damit rechnen, dass wir diese Technologie flächendeckend einsetzen?

Wir werden sicherlich nicht demnächst eine flächendeckende Einführung haben. Wir haben heute den Vertrag unterschrieben, dass wir in vier Bundesländern in einer größeren Stückzahl den ersten Praxistest über einige Jahre machen wollen. Wir werden diese Technologie in Regionen einsetzen, in denen die Elektrifizierung zu teuer ist. Den großen Vorteil dieser Technologie sehe ich im Schienenbereich. Ich glaube aber auch, dass diese Technologie im öffentlichen Verkehrsbereich, auf der Straße Zukunft haben wird, nämlich bei Bussen im Stadtverkehr und perspektivisch vermutlich auch im Lkw-Bereich. Wir müssen ja gerade in den Bereichen, wo wir wissen, dass nicht alles elektrifizierbar ist, Technologien finden, die bezahlbar und die auf Dauer auch in einem Gesamtsystem nachhaltig sind, also nicht das Klima belasten und energieeffizient sind.

“Wir haben uns jedenfalls in Baden-Württemberg klar darauf verständigt, dass wir nicht nur die Elektromobilität fördern, sondern auch Technologien wie die Brennstoffzelle für Pkw und perspektivisch auch für Lkw entwickeln wollen. Wir wollen die Infrastruktur, also die Tankstellen, an den Achsen entwickeln, damit das nicht das Hindernis darstellt für den Roll-out dieser Technologie.”

Jetzt ist der Schienengüterverkehr ohnehin weniger umweltbelastend als der Straßengüterverkehr. Wo liegen die Hindernisse für die Brennstoffzelle im Straßengüterverkehr?

Im Straßenverkehr ist die Technologie nach meiner Kenntnis noch nicht so weit. Sie setzt voraus, dass man schon ein umfassendes System von Tankstellen hat, an denen man Wasserstoff tanken kann. Der Vorteil auf der Schiene ist ja, dass ich nicht ein übergroßes Tankstellennetz brauche. Ich brauche an der Strecke eine Tankstelle. Das würde mir reichen. Wenn im Straßenverkehr die Wasserstofftankstellen für Pkw zunehmend flächendeckend da sind, wird das auch ein Vorteil für den Lkw-Verkehr sein. Wir haben uns jedenfalls in Baden-Württemberg klar darauf verständigt, dass wir nicht nur die Elektromobilität fördern, sondern auch Technologien wie die Brennstoffzelle für Pkw und perspektivisch auch für Lkw entwickeln wollen. Wir wollen die Infrastruktur, also die Tankstellen, an den Achsen entwickeln, damit das nicht das Hindernis darstellt für den Roll-out dieser Technologie.

Industrie-, Energie- und der Wohnsektor machen ihre Hausaufgaben beim Thema CO2-Aussstoß im Vergleich zum Verkehrssektor zunehmend besser. Wie bekommen wir mehr Tempo in die Entwicklung der Elektromobilität und der Brennstoffzellentechnologie?

Tatsächlich ist der Verkehrssektor zunehmend das größte Problem in Sachen Klimaschutz. In Baden-Württemberg sind wir bereits so weit, dass mehr als 30 Prozent der CO2-Emissionen aus dem Verkehrssektor kommen, das heißt mehr als in allen Bereichen wie etwa der Energiesektor oder die Industrie. Umso dringender ist, dass es überhaupt ein Bewusstsein dafür gibt, dass der Verkehrssektor ein größeres Problem ist als man denkt. Zweitens glaube ich, dass wir das, was wir jetzt mühselig im Pkw-Bereich europäisch durchgesetzt haben, dass es Grenzwerte gibt für CO2, dass wir das auch für Busse und für LKW brauchen. Über diese Grenzwerte gibt es einen klaren Anreiz, umweltfreundlich andere Technologien in den Markt zu bringen. Und wenn Europa diesen Rahmen setzt, dann wird es mit Sicherheit schneller voran gehen. Das Problem ist ja nicht, dass die Technik nicht da ist. Das Problem ist, dass es zu wenig Interessierte gibt.

Sind die Grenzwerte im Moment noch zu hoch Herr Herrmann?

Ja, im Moment gibt’s ja faktisch gar keine Grenzwerte, keine CO2-Grenzwerte, sondern es gibt ja nur Umweltgrenzwerte im Sinne von Abgasen. Wir haben über die Euronormen die Abgase des Verkehrs mit viel Geld gereinigt. Aber das schwierigste Nebenprodukt des CO2, der CO2-Ausstoß, was uns mit dem Klimawandel das historisch größte Problem erzeugt, das ist bisher nicht geregelt. Das ist ein Fehler der Politik. Das muss nachgeholt werden.

Interview: Jürgen Schultheis

Weiterführende Links

Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg
Landeszuschuss für umweltfreundliche Elektro- und Hybridbusse in Baden-Württemberg
Innotrans – Internationale Fachmesse für Verkehrstechnik, Innovative Komponenten, Fahrzeuge und Systeme

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Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (re) mit Alstom Transport-Präsident Henri Poupart-Lafarge (li) nach der Vertragsunterzeichnung auf der Innotrans 2014 in Berlin. Im Hintergrund rechts RMV-Geschäftsführer Prof. Knut Ringat.

 

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